Winterwandern in der Schweiz – Warum Bewegung in der Kälte besonders gesund ist

Wenn Schnee die Schweizer Alpen in weisses Schweigen hüllt und der Atem in der Kälte dampft, beginnt für viele Menschen die schönste Wandersaison des Jahres. Winterwandern ist mehr als ein Trend – es ist eine der wirkungsvollsten Gesundheitsmassnahmen, die die kalte Jahreszeit zu bieten hat.

Während viele den Winter als Zeit der Zurückgezogenheit und Inaktivität betrachten, entdecken immer mehr Menschen in der Schweiz die heilsame Wirkung des Wanderns in der Kälte. Die verschneiten Wälder des Juras, die zugefrorenen Seen des Mittellandes, die sonnenüberfluteten Winterwanderwege im Engadin oder im Berner Oberland – sie alle laden ein zu einem Erlebnis, das Körper und Geist gleichermassen stärkt. Und die Wissenschaft gibt den Winterwanderern recht: Bewegung in der Kälte hat nachweislich andere und in mancher Hinsicht stärkere Effekte als Sport im Sommer.



Was im Körper passiert, wenn man in der Kälte wandert

Der menschliche Körper reagiert auf Kälte mit einer Reihe von physiologischen Anpassungen, die weit über das blosse Zittern hinausgehen. Das Herz-Kreislauf-System wird stärker beansprucht, der Stoffwechsel läuft auf höheren Touren, und das Immunsystem wird aktiviert. Wer regelmässig in der Kälte wandert, trainiert seinen Körper auf eine Weise, die im warmen Fitnessstudio schlicht nicht möglich ist.


Infobox: Kalorienverbrauch im Vergleich
Wandern im Sommer (70 kg, flaches Gelände, 1 Stunde): ca. 280 Kalorien. Wandern im Winter (gleiche Bedingungen, 5 °C): ca. 340–400 Kalorien. Schneeschuhwandern (gleiche Person, 1 Stunde): ca. 450–500 Kalorien. Mehrverbrauch durch Kälte: 20–40 % gegenüber sommerlichen Bedingungen.

Braunes Fettgewebe: Der unterschätzte Wintervorteil

Lange galt braunes Fettgewebe als Phänomen, das nur bei Säuglingen vorkommt. Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass auch Erwachsene braunes Fettgewebe aktivieren können – und zwar durch regelmässige Kälteexposition. Im Gegensatz zum weissen Fettgewebe, das Energie speichert, verbrennt braunes Fettgewebe aktiv Kalorien, um Wärme zu erzeugen. Regelmässiges Winterwandern kann die Aktivität dieses Gewebes nachweislich steigern.

Das Immunsystem im Kälterevier

Der verbreitete Glaube, Kälte mache krank, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Im Gegenteil: Moderater Kältereiz stärkt das Immunsystem nachweislich. Studien zeigen, dass Menschen, die sich regelmässig in der Kälte bewegen, seltener an Erkältungen erkranken als jene, die den Winter überwiegend in beheizten Innenräumen verbringen.

  • Kältereize erhöhen die Produktion weisser Blutkörperchen und stärken die Abwehr
  • Trockene Winterluft im Freien enthält weniger Viren und Bakterien als Innenraumluft
  • Bewegung in der Kälte fördert die Durchblutung der Schleimhäute in Nase und Rachen
  • Der Wechsel zwischen Kälte und Wärme trainiert die Thermoregulation des Körpers
  • Regelmässige Kälteexposition senkt nachweislich den Cortisolspiegel und reduziert Stress

Infobox: Richtig angezogen im Winter
Zwiebelprinzip: drei Schichten sind ideal. Erste Schicht (Funktionsunterwäsche): leitet Feuchtigkeit ab. Zweite Schicht (Fleece oder Wolle): isoliert und wärmt. Dritte Schicht (Hardshelljacke): schützt vor Wind und Nässe. Wichtig: Kopf, Hände und Füsse besonders gut schützen – dort geht am meisten Wärme verloren.

Psychische Gesundheit: Was Winterwandern mit der Stimmung macht

Der Winterblues ist für viele Menschen in der Schweiz ein reales Problem. Die kurzen Tage, das fehlende Licht und die Tendenz zur sozialen Isolation können die Stimmung erheblich belasten. Winterwandern wirkt diesem Trend auf mehreren Ebenen entgegen.

Licht als natürliches Antidepressivum

Selbst an bedeckten Wintertagen ist die Lichtintensität im Freien um ein Vielfaches höher als in Innenräumen. Schon ein einstündiger Winterspaziergang in der Mittagszeit kann die Serotoninproduktion ankurbeln und die Melatoninausschüttung regulieren – beides entscheidend für eine stabile Stimmungslage und einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus.


Infobox: Winterwandern und mentale Gesundheit
Eine Studie der Universität Bern zeigte, dass bereits drei Winterwanderungen pro Woche à 45 Minuten depressive Symptome bei leichter bis mittelschwerer Depression signifikant reduzierten. Naturkontakt senkt den Cortisolspiegel messbar. Schneebedeckte Landschaften fördern laut Umweltpsychologen das Gefühl von Weite und Freiheit.

  • Lichtintensität draussen an bedecktem Wintertag: 2’000–10’000 Lux
  • Lichtintensität in einem gut beleuchteten Büro: 300–500 Lux
  • Benötigte Lichtdosis für messbare Stimmungsverbesserung: mindestens 2’500 Lux über 30 Minuten
  • Beste Zeit für Winterwanderungen: zwischen 11 und 14 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht


Die schönsten Winterwanderwege der Schweiz

Die Schweiz bietet ein dichtes Netz an ausgeschilderten Winterwanderwegen – insgesamt über 6’000 Kilometer, die von SchweizMobil kartiert und unterhalten werden. Sie sind gelb markiert und meist gut präpariert.

Highlights für Winterwanderer

Das Engadin gehört zu den sonnigsten Regionen der Schweiz im Winter und bietet traumhafte Wanderungen entlang zugefrorener Seen. Der Weg von Maloja nach Sils Maria am Ufer des Silsersees ist einer der bekanntesten Winterwanderwege des Landes. Im Berner Oberland bieten die Wege rund um Grindelwald und Mürren atemberaubende Ausblicke auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Wer es ruhiger mag, findet im Jura oder im Schwarzwald-Grenzgebiet weitgehend unberührte Winterlandschaften.

  • Engadin: Maloja–Sils Maria, flach, 7 km, ideal für Familien
  • Berner Oberland: Grindelwald–Bachalpsee, 6 km, spektakuläre Aussicht
  • Zentralschweiz: Rigi-Kulm–Staffel, 4 km, einfach, mit Bergbahn erreichbar
  • Jura: Chasseral-Rundweg, 12 km, einsam und weitgehend unberührt
  • Tessin: Monte San Salvatore, 5 km, oft schneefrei, mit Blick auf den Luganersee

Sicherheit beim Winterwandern

Winterwandern ist sicher, wenn man gut vorbereitet ist. Die grössten Risiken sind Kälte, Nässe, rutschige Wege und nachlassende Tageshelligkeit. Wer diese Faktoren im Blick behält, kann unbeschwert geniessen.


Infobox: Checkliste für Winterwanderungen
Ausrüstung: Wanderschuhe mit guter Profilsohle oder Grödel für vereiste Wege. Verpflegung: warme Getränke in der Thermoskanne, kalorienreiche Snacks. Navigation: SchweizMobil-App herunterladen, Route vorher studieren. Notfall: Handyakku voll laden (Kälte entlädt Akkus schnell), Notrufnummer 1414 (Rega) gespeichert haben. Timing: Rückkehr vor Einbruch der Dunkelheit einplanen.

 

Quelle: wellnessaktuell.ch-Redaktion
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